Schriftsteller und Element of Crime Frontmann Sven Regener spricht Klartext

22. März 2012

Der Zündfunk-Moderator Erich Renz wollte von Sven Regener nur ein kurzes Statement zum Thema Urheberrecht. Was dann kam, machte den Moderator leicht sprachlos:

„Man pinkelt uns ins Gesicht!“ und

„Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, das ist scheiße.“

Der Nerv war getroffen und endlich hatte ein Künstler Klartext geredet. Bei spiegel.de hört Ihr die Wut-Rede Sven Regeners im originalen Ton. Oder etwa doch nicht?

Aber mal abgesehen davon das der Spiegel-Artikel auch vorwiegend aus Zitaten besteht, gibt es den Ausschnitt im Original unter zuendfunk.de und man ist damit schon mitten im Thema: Urheberrecht. Wo kam der Beitrag ursprünglich her? Wer hat am schnellsten zitiert, gebloggt und reagiert?

Ich frage mich sowieso wo das hingehen soll: Ist irgendwann jede Aussage einmal gesagt und geschrieben – in verschiedensten Formulierungen und Umformungen. Dann kann diese gesucht und verglichen werden. Und wird ein zu langes „Zitat“ gefunden, wird dann geklagt was das Zeug hält. Am besten vollautomatisch.

Zumindest wenn sich der Kläger (oder die Klägerin) das leisten kann. Und das Konzerne und die Lobbyisten Macht und Mittel dafür haben, glaube ich sehr wohl.

In der Konsequenz verlieren dann die Kleinen – egal ob Labels, Künstler oder Unternehmen.

Wenn die einen verlieren und dann der Staat was tun muss und das kreative Potential auf dem Land genutzt werden soll, dann landet man meiner Meinung nach schon wieder bei einem andern Thema das vor ein paar Tagen bei Zündfunk ebenfalls Thema war: Creative City – Ein Streifzug durch München – ein Radiobeitrag von Ralf Homann.

Hier geht es auch um die Kommerzialisierung von Kunst. Wer verdient eigentlich woran und wer macht die Arbeit? Was darf es denn kosten?

Billig muss es sein, das ist dem cleveren Konsumenten sowieso klar.

„Wo sind bloß die Künstler hin, die um der Kunst Willen Kunst machen?!“ schreibt da onkelbenz,derechte in den Kommentaren auf der Spiegel-Seite. Ich würde sagen: „Die haben wahrscheinlich langsam aber sicher die Schnauze voll oder sind verhungert.“ oder sind meine Worte schon wieder zitiert? Ein paar Minuten später schreibt nämlich ArnoNym „Die sind alle verhungert“

Vielleicht sollten wir alle Mal öfter ein wenig schweigen – „Ich muß reden, auch wenn ich schweigen muß“ sangen Tocotronic 1995 auf Ihrem Album „Nach der verlorenen Zeit„.

Wird langfristig die freie Meinungsäußerung unmöglich, weil jeder Satz und jede Satzkombination mit Rechten behaftet sind, die natürlich einklagbar sind

Idealerweise vollautomatisch – die Technik dafür ist ja bereits da. Finanziert muss es halt werden. Aber Geld wurde ja auch gedruckt in den letzten Wochen. Der Bogen spannt sich … die Welt ist ein Dorf.

Und im Dorf sollte man sich überlegen was man laut sagt …

– Schweigen –

Nachlese: Sven Regener und das Urheberrecht

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